Bertolt Brecht hat sich getäuscht

Oder: Warum Kämpfen Sie nicht weiterbringt

„Der ist ein Kämpfer!“ Klingt nach einem großen, beeindruckenden Mann, der alles schaffen kann. Der sich so richtig reinhängt, der alles gibt.

Markus, ein Seminarteilnehmer, ist so ein Kämpfer. Er arbeitet viel, will jeden potenziellen Kunden für seine Firma gewinnen und den Chef von sich überzeugen. Und nebenher betreibt er noch exzessiv verschiedene Sportarten. Kurz: Er steht immer im Wettkampf – mit Konkurrenten bei der Arbeit, mit seinem Karategegner und letztlich auch mit sich selbst. Schließlich will er jeden Tag noch mehr erreichen als am Tag zuvor.

Und damit ist er nicht allein, ist Kämpfen doch zum Nationalsport mutiert. Das können Sie schon an der Sprache sehen:

„Wir kämpfen um den Umsatz und um neue Mitarbeiter.“

„Wir müssen die Krankheit bekämpfen!“

„Ich will dich nicht gehen lassen. Ich werde um dich kämpfen!“

Ich weiß, da stecken positive Absichten dahinter: Erfolgreich sein, dem Partner seine Liebe beweisen, den Patienten heilen.

Was aber den wenigsten bewusst zu sein scheint: Kämpfen heißt, zu verkrampfen, wütend und angespannt zu sein. Und dadurch wird Adrenalin produziert, das langfristig die Leistungsfähigkeit mindert. Kämpfen ist also wahnsinnig anstrengend! Oder haben Sie schon mal jemanden mit entspanntem oder glücklichem Gesicht kämpfen sehen?

Außerdem produziert das Kämpfen zwangsläufig Verlierer: Wenn einer als Gewinner vom Platz geht, steht im Hintergrund einer mit hängendem Kopf. Und darum muss ich auch Bertolt Brecht vehement widersprechen. Meinte er doch, wer nicht kämpft, hat schon verloren. Ich sehe das so: Wer nicht kämpft, kann gar nicht verlieren – nur gewinnen!

Das Nichtkämpfen hat nämlich nichts mit Faulheit zu tun. Denn das Gegenteil von Kämpfen ist nicht Nichtstun, sondern Einladen. Und das führt zu Begeisterung. Der Grund? Wer aufhört, verbissen für etwas zu kämpfen, kann freiwillig, mit einem Grinsen im Gesicht an seine Arbeit gehen.

Wer jemanden nicht herausfordert, sondern einlädt – einen potenziellen Kunden dazu, sein Produkt zu kaufen, eine schöne Frau, mit ihm ein Glas Wein zu trinken, seinen Sohn, mit ihm eine Wanderung zu machen –, der überlässt dem anderen die freie Entscheidung. Da gibt es keinen Zwang, keinen Druck. Also wenn das nicht begeistert …

Darum kämpfe ich auch nie um Kunden. Ich lade sie lediglich dazu ein, mit mir zu arbeiten. Wenn sie mögen, können sie kommen. Und wenn nicht, dann ist es auch ok.

Versuchen Sie das doch auch mal! Sie werden sehen, wie leicht Ihre Arbeit plötzlich wird.

Mitten ins Ziel: Wie Ihre Visionen nicht länger unerreichbar scheinen

Tom hat nur ein Ziel: sich schnell genug wegducken, damit seine Frau ihn verfehlt, wenn sie ihm mal wieder einen Teller an den Kopf schleudert.

Tom ist einer meiner Coachees, der im echten Leben anders heißt. Und mit seiner temperamentvollen, italienischen Frau ist er seit mehreren Jahren verheiratet. Früher lief die Beziehung auch sehr gut. Heute fühlt sich das Ziel vom ewigem Glück und trauter Zweisamkeit sehr weit entfernt an.

Wenn die Distanz zum gewünschten Ziel scheinbar immer weiter wächst, gilt es aufzupassen: „Mitten ins Ziel: Wie Ihre Visionen nicht länger unerreichbar scheinen“ weiterlesen

Bühne frei für Ihren Willi: Endlich selbstbestimmt leben

Donald Trump mischt die Welt auf – die möglichen Auswirkungen für Deutschland sind angsteinflößend. Die EU verbietet Buntstifte und Malfarben mit Blei – wie jetzt, die habe ich bisher auch benutzt! Der deutsche Staat bestimmt, wer Paternoster fahren darf – so ein Schwachsinn! Die Kommunen schreiben vor, wann welche Bäume auf privaten Grundstücken gefällt werden dürfen. Ein Wunder, dass Ihnen und mir nicht irgendwer vorschreibt, wann wir aufstehen dürfen oder schlafen gehen müssen.

Die Folge „Bühne frei für Ihren Willi: Endlich selbstbestimmt leben“ weiterlesen

Wie Sie weniger müssen müssen

»Hab’ heute keine Zeit, bin voll im Stress«, sagt sie und ihre Geste mit Daumen am Ohr und kleinem Finger am Mund deutet das Versprechen an, dass sie mich anrufen wird. Ich winke ab und grinse in mich hinein. Das Spielchen treiben wir schon zwei Jahre so.

Das Problem mit der Unverbindlichkeit

Das ist leider nur ein Beispiel für gewisse Standardlügen, die Sie mit Sicherheit auch schon angewendet haben, um ein Bild von Nettigkeit aufrechtzuerhalten – oder über die Sie sich als Empfänger geärgert haben:

»Ich melde mich« können Sie zum Beispiel komplettieren mit: » … aber warte nicht drauf.«

»Das kriegen wir schon hin« bedeutet eigentlich: «DU wirst das schon hinkriegen.«

Und mit »Ist nicht vergessen« sagt Ihnen Ihr Gesprächspartner: »Sobald wir aufgelegt haben, werde ich nicht mehr dran denken.«

Ja, gesagt wird viel, aber die Bedeutung ist häufig eine andere. Nur: Anders, als Sie jetzt denken mögen, will ich das niemandem ankreiden – es ist nämlich keine böse Absicht. „Wie Sie weniger müssen müssen“ weiterlesen

Alles ist möglich!

»Jetzt sei doch mal realistisch! Steck dir deine Ziele nicht so hoch. Sonst bist du am Ende nur enttäuscht, wenn es nicht klappt.«

Den Rat haben Sie bestimmt auch schon mal gehört. Oder vielleicht sogar selbst zu jemandem gesagt. Und der Gedanke dahinter, jemanden vor einer Enttäuschung bewahren zu wollen, ist mit Sicherheit gut gemeint. Darum sagen Eltern sowas besonders gerne zu ihren Kindern, wenn die mal wieder mit spinnigen Ideen nach Hause kommen, was sie alles tun werden bzw. wollen. Da wird dann sofort mit der »Realistisch-Keule« ausgeholt.

Realistische Ziele sind nicht realistisch

Leider verankert sich die Denkweise, Ziele müssten niedrig angesetzt werden, um realistisch zu sein, so stark, dass sie bis ins Erwachsenenalter reicht — und sich dort sogar noch verschlimmert.

Seien Sie doch mal ehrlich: Wenn Sie sich Ziele setzen — wovon hängt es ab, wie groß das Ziel ist? Wie schnell Sie es erreichen möchten? Was andere dazu sagen? Ihre wirklichen Wünsche? Oder Ihre Annahmen und Gedanken über sich selbst, was Sie überhaupt schaffen können? Also davon, was Sie für realistisch halten? Dann bedenken Sie: »Realistische« Ziele sind nichts anderes als ein Auswurf Ihrer Gedanken, Gefühle und Annahmen — und die werden von Ihrem Umfeld geprägt. Letztlich haben »realistische« Ziele also nichts mit der Realität zu tun.

„Alles ist möglich!“ weiterlesen

Ist das wirklich nötig

Wissen Sie, was notwendig ist, um ein »guter Geschäftsführer« zu sein?
Uniabschluss? Viele Jahre Berufserfahrung? Breites Wissen über betriebliche Belange? Entscheidungsfreude? Kommunikative Skills? Die Fähigkeit, Mitarbeiter zu motivieren? Rentabilität? Kundengewinnung? Umsatzsteigerung?

Ja, bei dieser Frage kommen Manager gerne ins Schwärmen und Philosophieren. Lassen Sie mich die Frage aber anders beantworten: Das einzige, was es wirklich braucht, um guter Geschäftsführer zu sein, ist die Eintragung im Handelsregister – und die individuelle Definition von »gut«. Das ist auch schon alles.

Leider sehen das die wenigsten so. Sie setzen sich Ziele – wie eben guter Geschäftsführer zu werden –, und machen die Zielerreichung dann mangels eigener Definition von den Ansprüchen anderer abhängig. Und kommen deshalb aus dem Müssen gar nicht mehr heraus. Sie »müssen« sich mehr Wissen aneignen, sie »müssen« abends noch länger im Büro bleiben, sie »müssen« dem Aufsichtsrat Honig ums Maul schmieren.

Die Überlebenslinie

Und warum? Weil ihnen eben diese klare Definition der Überlebenslinie fehlt – also dem Punkt, der absolut notwendig ist, um ein Ziel zu erreichen. ÜBERLEBENSlinie? Weil es auch beim Überleben um die Mindestanforderung von atmen, trinken, essen, gegen Wärme und Kälte bedecken, schlafen und ausscheiden geht. Alles andere ist Zugabe.

„Ist das wirklich nötig“ weiterlesen